Der gebürtige Nikolausdorfer Heinrich Timmerevers hat seinen Rücktritt als Bischof von Dresden-Meißen erklärt. Papst Leo XIV. hat das Gesuch angenommen. Der Schritt kommt unerwartet.
Karin Wollschläger
02.09.2026, 17:25 Uhr
Tritt als Bischof von Dresden-Meißen zurück: Heinrich Timmereversdpa Zusammengefasst
- Bischof Heinrich Timmerevers hat nach zehn Jahren überraschend seinen vorzeitigen Rücktritt als Leiter des katholischen Bistums Dresden-Meißen erklärt.
- Papst Leo XIV. hat das Rücktrittsgesuch von Timmerevers am 25. Jahrestag seiner Bischofsweihe angenommen, der Bischofsstuhl ist ab sofort vakant.
- Timmerevers begründet seinen Rücktritt mit altersbedingt nachlassender „Spannkraft“ und will seinen Ruhestand in Dresden verbringen.
Nikolausdorf/Vechta/Dresden – Damit hatte niemand gerechnet: Nach genau zehn Jahren an der Spitze des katholischen Bistums Dresden-Meißen hat Bischof Heinrich Timmerevers überraschend seinen vorzeitigen Rücktritt bekannt gegeben. Vergangene Woche hatte der gebürtiger Nikolausdorfer (Landkreis Cloppenburg) sein 74. Lebensjahr vollendet. Üblicherweise bieten Bischöfe dem Papst erst zum 75. Geburtstag gemäß dem Kirchenrecht ihren Rücktritt an. An diesem Mittwoch teilten das Bistum und der Vatikan nun mit: Papst Leo XIV. hat Timmerevers’ Rücktrittsgesuch angenommen – am 25. Jahrestag seiner Bischofsweihe. Damit ist der Bischofsstuhl in Dresden ab sofort vakant.
Altersbedingte Gründe
Timmerevers begründete seinen Rücktritt mit altersbedingt nachlassender „Spannkraft“. Er merke, dass er zuweilen „tote Punkte“ habe und einschlafe, sagte er am Mittwoch. Angesichts seiner vielfältigen Herausforderungen und Aufgaben sei das seiner Ansicht nach nicht verantwortbar. Deswegen habe er beschlossen, die Leitung des Bistums in jüngere Hände zu übergeben, und den Papst um Entpflichtung gebeten. Er hoffe, damit den Weg für eine reibungslose, zügige Nachfolge freizumachen.
Beim Jahresempfang des Katholischen Büros Sachsen am Montag waren noch keinerlei Rücktrittsgerüchte zu hören. Timmerevers wirkte entspannt und vital wie immer. Wie er erläuterte, sprach er bereits am 13. Februar persönlich mit dem Papst über sein eingereichtes Rücktrittsgesuch. Am 23. Juni habe der Botschafter des Papstes, Nuntius Hubertus van Megen, ihm in Berlin mitgeteilt, dass seiner Bitte entsprochen worden sei. Timmerevers sagte, er habe den Eindruck, dass Papst Leo XIV. offener sei für Bitten um einen früheren Rücktritt und flexibler damit umgehe.
Feier zum Silbernen Bischofsjubiläum
Der Rücktritt gibt den großen Feierlichkeiten zu Timmerevers’ silbernem Bischofsjubiläum am Samstag eine neue Prägung: Es ist zugleich die Verabschiedung von Timmerevers. Mehrere Hundert Gäste sind geladen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, hält die Festpredigt. Timmerevers kündigte an, seinen Ruhestand in Dresden zu verleben.
Als Timmerevers 2016 erfuhr, dass er katholischer Bischof von Dresden-Meißen werden sollte, reagierte der damals 64-Jährige nach eigenem Bekunden erst mal „ziemlich geschockt“: „Für mich war klar: Jetzt verlässt du Haus, Hof und Vaterland und ziehst in ein anderes Land.“ Was folgte, war ein Aufbruch – nicht nur geografisch und biografisch, sondern auch im Nachdenken über Kirche und Glaubensleben.
Heimatverbundener Bauernsohn
Timmerevers kommt von einem Bauernhof in Nikolausdorf, geboren als zweites von sechs Kindern. Seine Heimat ist das Oldenburger Münsterland, das zum Bistum Münster gehört. Ihr ist er bis heute eng verbunden, was er selten unerwähnt lässt. Verlassen hatte er seine Heimat nur für das Theologiestudium in Münster und Freiburg im Breisgau, einen Kurs der Fokolarbewegung in Rom, der er angehört, und einige Jahre in leitender Funktion bei der Priesterausbildung in Münster.
HEINRICH TIMMEREVERS IN GARREL Bischof von Dresden-Meißen besucht seine alte Heimat
1990 kehrte Timmerevers in seine Heimat als Pfarrer zurück. 2001 folgte seine Ernennung zum Weihbischof und Leiter des Offizialatsbezirks Oldenburg. Der niedersächsische Teil des Bistums Münster ist auf der Grundlage einer weltweit einmaligen Rechtskonstruktion kirchenpolitisch weitgehend unabhängig. Der Weihbischof in Vechta hat dadurch ein machtvolleres Amt als andere Weihbischöfe. Erst jüngst war Bischof Timmerevers in der Heimat, um zum 125-jährigen Jubiläum Nikolausdorfs die Festmesse mitzugestalten.
Überraschender Wechsel nach Dresden
Überraschend wählte ihn 2016 das Domkapitel von Dresden-Meißen zum 50. Bischof des sächsischen Bistums, das in Teilen auch in den Osten Thüringens reicht. Timmerevers stieg auf und verkleinerte sich zugleich: Als Ortsbischof in der sächsischen Diaspora ist er für deutlich weniger Katholiken zuständig. Das Bistum Dresden-Meißen zählt derzeit noch knapp 125.000 Mitglieder.
Auch ist das Budget erheblich kleiner, wenngleich Dresden-Meißen in Ostdeutschland zu den finanziell besser gestellten Bistümern zählt. Der Westdeutsche Timmerevers musste auch ein Gefühl für die Mentalität der Menschen in seinem Bistum, die Prägung durch die DDR-Zeit bekommen, eine Sensibilität für ostdeutsche Perspektiven, Befindlichkeiten und Realitäten entwickeln.
Fürsprecher für Anliegen Homosexueller
Bei seinen Reisen durchs Bistum wurde er immer wieder mit Verlustängsten, der Überalterung ganzer Landstriche und einer mehr und mehr erstarkenden AfD, die in Sachsen gesichert rechtsextrem ist, konfrontiert. Begegnungen mit queeren Christinnen und Christen seines Bistums machten ihn zu einem offenen Fürsprecher für ihre Anliegen, etwa für die Segnung homosexueller Partnerschaften.
Bischof Timmerevers räumte ein, dass ihm bewusst sei, eine „Baustelle“ in Dresden zu hinterlassen. Aber für ihn sei es ein guter Tag: „Ich bin zufrieden und in Frieden. Für mich beginnt nun eine neue Zeit.“ Er sei sehr dankbar und blicke nach vorn. Auf seinen Nachfolger dürfte indes einiges an Arbeit zukommen.

