In Nikolausdorf baut Open Grid Europe an der Gas-Autobahn Wardenburg-Drohne. Die neue Leitung transportiert Erdgas und künftig auch Wasserstoff. Die Bauarbeiten dauern bis 2027.
25.01.2026, 15:32 Uhr
Im Bereich Nikolausdorf sind die Vorarbeiten für die Erdgasleitung Wardenburg-Drohne gestartet. Reiner Kramer
Nikolausdorf/Kreis Cloppenburg – Erneut bestimmen Bagger das Bild im Bereich Nikolausdorf. Schon wieder, denn nicht weit entfernt war erst vor kurzer Zeit der Boden für das Erdkabel der 380-kV-Leitung bis zum Umspannwerk Garrel-Ost an der Beverbrucher Straße verlegt worden.
Der Grund dafür, dass wieder die Bagger anrücken: die neue Gas-Autobahn, die Gasnetzbetreiber Open Grid Europe errichten lässt. Die Bauarbeiten für die Erdgastransportleitung Wardenburg-Drohne (WAD) waren in der Gemeinde Wardenburg Anfang Dezember gestartet und setzen sich in südliche Richtung durch den Kreis Cloppenburg fort.
Was ist die WAD ?
Durch die neue Leitung soll künftig Erdgas, das unter anderem in Wilhelmshaven angelandet wird, in das deutsche Ferngasnetz eingespeist werden. Die Leitung kann auch für den Transport von Wasserstoff umgerüstet werden („H2-ready“). Das ist gerade auch für Unternehmen spannend, die sich im Bereich des Umspannwerks in Garrel niederlassen wollen. Die Erdgasleitung Wardenburg-Drohne (WAD) verläuft auf circa 90 Kilometer von der Verdichterstation („Netra“) in Wardenburg bis zur Gasdruck-Regel- und Messanlage (GDRMA) nach Drohne (Stemwede in Nordrhein-Westfalen) und hat einen Durchmesser von rund einem Meter. „Die einzelnen Stahlrohre sind 18 Meter lang und werden miteinander verschweißt“, teilte eine Unternehmenssprecherin Anika Leimbrink auf Anfrage unserer Redaktion mit. Material für die Pipeline liegt auf dem Lagerplatz im Bereich Beverbrucher Damm. WAD ist der zweite Abschnitt der Leitung. Der erste rund 60 Kilometer lange Abschnitt zwischen Etzel und Wardenburg war im November fertiggestellt worden. In Niedersachsen folgt die neue Gashochdruckleitung auf etwa 85 Kilometern überwiegend der bestehenden Erdgasleitung Wardenburg-Werne durch die Kreise Oldenburg, Cloppenburg, Vechta und Osnabrück.
Welche Trasse wird gewählt ?
Bis durch die Leitung verdichtetes Erdgas (LNG) mit bis zu 100 Bar in Richtung Nordrhein-Westfalen gepumpt werden kann, müssen reichlich Rohre verlegt werden. „Grundsätzlich nehmen die Trassen unserer Leitungsbauprojekte nicht den kürzesten, sondern den verträglichsten Weg“, sagte die Unternehmenssprecherin. „Bereits bei der Planung unserer Trassen fließen viele Faktoren mit ein, beispielsweise das Bündelungsgebot von Infrastrukturen oder naturschutz- und umweltrechtliche Aspekte.“
Wie verlaufen die Arbeiten ?
Zunächst werden die einzelnen Bodenhorizonte abgetragen. Die werden getrennt voneinander gelagert und geschützt, damit sie anschließend wieder Horizont für Horizont auftragen können. „Das ist besonders wichtig, um den Mutterboden zu erhalten und keine Vermischung der Bodenhorizonte zu riskieren.“ Das Stahlrohr wird dann mit einer Mindestüberdeckung von einem Meter in den Rohrgraben verlegt. „So ist eine spätere landwirtschaftliche Bearbeitung bis zu einer Tiefenlockerung von 60 Zentimetern gewährleistet.“ Wenn später in Ausnahmefällen in tieferen Schichten gearbeitet werden soll, müsse das vorab mit dem zuständigen Betrieb von OGE vor Ort abgestimmt werden.
So verläuft die Erdgasleitung von Wardenburg bis Drohne.
Wenn durch landwirtschaftliche Flächen Drainagen verlaufen, sollen die nach Verlegung der Leitung wiederhergestellt werden. Dafür erfolgen Abstimmungen im Vorfeld der Bodenarbeiten mit den Landwirten. Wenn alle Arbeiten inklusive der Rekultivierungsmaßnahmen abgeschlossen sind, deutet oberflächlich nichts auf die unterirdische Leitung hin – „im besten Fall nur noch die gelben Schilderpfähle in der Landschaft“. Diese Schilderpfähle enthalten den Namen/die Bezeichnung der Leitung sowie den Betreiber.
Wie werden Straßen unterquert? ?
„Wege und Straßen queren wir sowohl in geschlossener als auch in offener Bauweise“, so die Unternehmenssprecherin. Dabei wird jede Wege- und Straßenquerung individuell betrachtet. Dabei wird berücksichtigt, wie viele Fremdleitungen dort bereits verlaufen, welche Tiefenlage die Leitung haben muss oder auch welche Topologie das Gelände aufweist. Auch naturschutzrechtliche Aspekte spielen eine Rolle.
Wie hoch sind die Kosten ?
Alleine für den Abschnitt zwischen Wardenburg und Drohne rechnet Gasnetzbetreiber OGE mit Investitionskosten in Höhe von rund 400 Millionen Euro. Die Leitung soll bis Ende dieses Jahres in Betrieb gehen. Die Rekultivierung des Bodens über den Rohren wird aber voraussichtlich noch bis 2027 andauern.

