Soziales In Nikolausdorf Im Nikolausbüro herrscht emsiges Treiben

Yvonne Högemann

Teamwork: Bis zu 20 junge Frauen und Männer unterstützen Hubert Weddehage (hinten, Vierter von links) im Nikolausbüro des Pfarrheims in Nikolausdorf.

Immer mehr Zuschriften aus China trudeln seit einigen Jahren in Nikolausdorf ein. Die Flut an Briefen hat zuletzt jedoch abgenommen.

Nikolausdorf Mal sind sie niedlich, rührend oder lustig, mal traurig oder melancholisch – so sind die Briefe an das Nikolausbüro in Nikolausdorf. Auch nach dem 6. Dezember trudeln immer noch Umschläge mit Schreiben aus aller Welt bei den ehrenamtlichen Mitarbeitern ein.

So haben zwei Wochen vor Weihnachten die Helfer vom Nikolaus schon seit geraumer Zeit die Stifte gespitzt und die erste große Flut an Briefen beantwortet.

Vielfach sind die Grüße an den heiligen Mann mit der Auflistung materieller Wünsche verbunden: Eine neue Playstation, den Fernseher für das eigene Zimmer oder ein Laptop sind nur wenige Beispiele. Manchmal kommt es sogar vor, dass die fleißigen Helfer Wünsche erst einmal „googeln“ müssen. Mit einigen Briefen haben sich Kinder, häufig auch Oma oder Opa, viel Mühe gegeben. In anderen sind die größten Weihnachtswünsche aus dem Katalog ausgeschnitten und aufgeklebt. Immer wieder trudeln auch Briefe ein, in denen Kinder von Tod, Krankheit, Scheidung der Eltern, Mobbing in der Schule oder Ähnlichem schreiben. In solchen Situationen erreichen Notrufe den Nikolaus: „Bringe mir Mama zurück“ oder „Hilf uns, dass Mama und Papa sich wieder vertragen“, heißen die Zeilen, die von den hilflosen Kleinen nach Nikolausdorf geschickt werden.

Beinahe alle Briefe bekommen auch eine Antwort – sofern ein Absender bekannt ist. „Was deine Wünsche angeht, drücke ich dir natürlich die Daumen, sei aber bitte nicht traurig, wenn sie nicht alle in Erfüllung gehen“, steht in dem ausführlichen Standardbrief, den die meisten Kinder bekommen. Beendet wird jeder Brief mit den Wünschen für ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest. „Bei besonderen Schicksalsschlägen nehmen wir einen Brief aber auch gerne mal mit nach Hause“, erklärt Hubert Weddehage, der das Nikolausbüro seit 1970 leitet: „In Ruhe wird dann eine persönliche Antwort formuliert.“

Rund 5000 bis 6000 Briefe sind es, die jährlich das Nikolausbüro erreichen. Bis kurz vor Heiligabend werden die Briefe beantwortet. Pünktlich zum Nikolaus vergangenen Freitag sollte die erste Post bei den Kindern angekommen sein, seither grüßt der Nikolaus jeden Tag. Fünf Tage in der Woche finden sich deshalb seit dem 25. November bis zu 20 junge Frauen und Männer im Nikolausbüro ein, um die Briefflut zu bewältigen. „Es ist das Wissen, dass ich mit dieser Arbeit einem Kind ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann“, gibt Helferin Andrea Lohmann als Erklärung für ihre Motivation an, jedes Jahr wieder im Nikolausbüro zu helfen. Außerdem sei jeder Brief wie eine einzelne Geschichte. „Dabei sein ist einfach alles als Nikolausdorfer!“

Lydia Fleming findet es schade, dass die Briefflut in den vergangenen Jahren stetig etwas abgenommen hat, dennoch ist es ihr wichtig, das Geheimnis um den Nikolaus und Weihnachten zu bewahren und den Kindern mit einem Antwortbrief eine Freude zu machen. „Ich stelle mir einfach das Leuchten in den Augen der Kinder vor“, sagt die Mutter einer kleinen Tochter. Antworten gehen von Nikolausdorf aus bis nach Russland oder in den vergangenen Jahren auch immer mehr nach China.

Quelle: https://www.nwzonline.de/cloppenburg/kultur/nikolausdorf-soziales-in-nikolausdorf-im-nikolausbuero-herrscht-emsiges-treiben_a_50,6,2472185075.html

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